Das Wehr

Sie ist mir egal. Sie ist mir schon lange egal.

Sie ist mir seit dem Tag der Enttäuschung egal.
Ich sehe sie nie und ehrlich gesagt, ist es mir auch egal.
Ich höre von ihr mit Interesse, doch berichte von ihr mit Desinteresse.
Die Wunden sind Tief, doch lindert allein das Hervorrufen ihres Lächelns den Schmerz.
Es ist nicht nur der Schmerz der Vergangenheit, es sind auch die Leiden der Gegenwart, die durch die Projektionen mal gestärkt und meistens geschwächt werden.
Auch wenn nur für einen kurzen Moment. Auch wenn nicht täglich, ist es doch ein befreiendes Gefühl von ihr zu hören.
In den Kommunikationspausen bin ich in meinem selbst errichteten Verlies gefangen. Der Boden ist kalt und nur ganz selten dringt ein flüchtiger Lichtstrahl wärmend durch die kurzen Gitterstäbe. Kein Wasser, kein Brot. Das Gesicht des Wärters ist nicht zu erkennen. Er sagt mir nicht wieso, nicht warum, nicht wie lange ich hier bin und noch bleiben werde. Würde er mich noch etwas mehr ignorieren, würde das Gefühl, ich bestünde aus Luft, vielleicht nicht nur ein Gefühl bleiben und ich könnte durch die Stäbe entfleuchen.
Beim Blick durch den eisigen, engen Raum fällt mir auf, dass die Tür zu meiner Zelle ein Schlüsselloch hat. War das schon immer da? Wieso ist mir das noch nie aufgefallen? In wessen Besitz ist der Schlüssel? Auf der Suche nach dem Fahrschein in die Freiheit, taste ich hektisch an meinem nackten, zitternden Körper entlang. Außer einer kleinen Schachtel, ohne Inhalt, trage ich jedoch nichts bei mir. Vielleicht hat der Wärter den Schlüssel oder vielleicht habe ich nicht richtig nachgesehen.
Ist es möglich, dass Sie ihn hat?
Ich könnte sie fragen, doch ich sehe sie nie und ehrlich gesagt, ist es mir auch egal.
Das Wehr

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